Bericht: Ruhrpott Metal Meeting – Turbinenhalle Oberhausen – 07.-08.12.2018

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting – Turbinenhalle Oberhausen – 07.-08.12.2018

Unweigerlich nähert sich das Jahr dem Ende entgegen. Das Wetter wird tatsächlich auch mal wieder schlechter und immer wieder rutschen die Temperaturen in den einstelligen Bereich. Genau der richtige Zeitpunkt, um mal so richtig abzufeiern. Da war es doch gut, dass das Ruhrpott Metal Meeting am 07. und 08.12. seine Tore öffnete, um die Freunde des guten und lauten Metals einzulassen.

Das Wetter war wahrlich alles andere als berauschend und bereits die Autofahrt zur Turbinenhalle war abenteuerlich. Und dauerte. Denn wie üblich staute sich der Verkehr gewaltig Richtung Turbinenhalle und Centro. Wer da nicht rechtzeitig los fuhr riskierte zu spät zu kommen. Da war man mit frühzeitig starten wesentlich besser dran. Auch das RMM weiß dies und öffnet seine Tore immer weit vor Konzertstart. Wie immer war der Einlass äußerst unproblematisch und die Zu-Früh-Kommer hatten genügend Zeit, sich umzuschauen, soll heißen, die Markhalle zu besichtigen. Wer bereits beim RMM war, der kennt die Markstände und auch das Essensangebot schon. Man gönnte sich also noch eben eine Stärkung in fester und flüssiger Form, und schon öffnete sich die Tür zur Halle 1, in der an diesem Tag die Konzerte stattfanden.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Den Anfang machten dabei Pripjat, die die Stimmung schon mal ordentlich anheizten. Schnellen, lauten und stampfenden Trash-Metal gaben die Kölner zum Besten und trafen damit genau den Geschmack des bereits zahlreich anwesenden Publikums.  Da die Jungs es aber anscheinend nicht abwarten konnten, legten sie etwas früher los als geplant und eine Vielzahl Besucher stand da noch in der Einlass-Schlange (wie bereits erwähnt, es war gar nicht so einfach pünktlich an der Halle zu sein, wenn man bereits eine halbe bis eine Stunde brauchte, nur um eine einzige Ampel zu überqueren). Pripjat legten auch mit so viel Energie los, dass sie ihre Spielzeit nicht komplett nutzen.

Und so ging es dann auch etwas früher los für Suicidal Angels. Die Griechen machten da weiter, wo Pripjat aufgehört hatten: guter, lauter Trash-Metal, den sie dem feierwütigen Publikum um die Ohren hauten. Sie profitierten auch ein wenig von der Zeitverschiebung und spielten ein klein wenig länger, so dass die pünktlich nach Plan ihr Set beendeten.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Weiter ging es mit den Amerikanern von Death Angel. Bereits im letzten Jahr begeisterten sie das RMM-Publikum und auch in diesem Jahr stellten sie wieder ein Highlight auf der Bühne dar. Gewohnt sympathisch und energiegeladen beanspruchte Sänger Mark Osegueda die Bühne für sich und seine Band heizte dem Publikum immer wieder ein. Death Angel markierten die Halbzeit dieses Abends und machten klar: es würde genauso gnadenlos weitergehen. Wer eine Pause brauchte, hatte eigentlich nur die 20minütigen Umbaupausen zur Verfügung, denn die Bands spielten allesamt so grandios auf, dass man einfach mitgehen musste.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Eine kleine Headliner-Stimmung kam dann bereits bei der folgenden Band auf: Sodom stürmten heran. Aus Fotografensicht sei hier erwähnt: das beste Licht des Abends und man konnte sogar alle Bandmitglieder sehen. Aus musikalischer Sicht: einfach hervorragend. Den einzelnen Bandmitgliedern sah man ihre Spielfreude und Begeisterung regelrecht an und die diversen Crowdsurfer im Publikum bestätigten diesen Eindruck: Sodom wurde schlicht und einfach gefeiert und konnten dies auch ausgiebig genießen.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018So langsam näherte sich der Abend seinem Ende entgegen. Aber nicht dem Ende der Stimmung, die wurde von Exodus nur noch weiter angestachelt. Die Amerikaner standen ihren Vorgängern in nichts nach, was die Performance auf der Bühne anging und ließen den Metal-Fans keine Zeit zum Durchatmen. Gnadenlos ließen sie ihr knapp einstündiges Set auf das Publikum los, nur unterbrochen durch die ein oder andere Ansage des sympathischen Sängers Steve „Zetro“ Souza.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Und dann war es soweit: der ein oder andere hatte fieberhaft auf den Headliner gewartet und nun sollten Venom tatsächlich die Bühne betreten. Wer genau aufpasste konnte sehen, dass sich die Fotografen außerhalb des Fotograbens sammelten, ein untrügliches Zeichen dafür, dass es Pyro geben würde. Und so war es auch: mit einem Knall betrat das Trio um Conrad „Cronos“ Lant die Bühne und legte los. Musikalisch konnten sie die gesetzte Marke der Vorgänger locker einhalten. Und auch die Performance war sicherlich gut (nur etwas unschön, dass Cronos La Rage die Mikros mit größtmöglichem Abstand zwischen sich aufgestellt hatten). Aber nicht nur aus Fotografensicht, auch als Konzertbesucher muss ich hier eine persönliche Meinung loswerden: Lichttechnisch war das eine einzige Katastrophe. Eine vollständig in blau gehüllte Bühne, durchbrochen nur von dem ein oder anderen farbigen Spot, lässt nicht wirklich Stimmung aufkommen und auch die Musiker waren nur bedingt zu erkennen. Aus größerer Entfernung war das sicherlich schon eine Herausforderung. So stand zwar definitiv die Musik an sich im Vordergrund, aber ein bisschen mehr Show hatte man sich von einem Headliner trotzdem erhofft.

Nichtsdestotrotz: es war ein gelungener erster Festivaltag in der Turbinenhalle mit einem gewohnt souveränen Personal und einer hervorragenden Stimmung. Die Bands legten sich mächtig ins Zeug, auch wenn man die Bandmitglieder mangels ausreichend Licht teilweise kaum gut erkennen konnte. Der Tag machte auf jeden Fall Lust auf mehr und der nächste Tag war ja auch nicht mehr weit weg.

Die Anreise-Erfahrungen des ersten Festival-Tages hatten gezeigt, dass frühzeitige Ankunft sehr zu empfehlen war. Wie gewöhnlich öffnet das RMM am zweiten Tag noch früher seine Tore, als an Tag ein. Ab 13:30 Uhr konnte man die Turbinenhalle betreten, obwohl die Konzerte erst nach 16 Uhr starten würde. Das kam natürlich denen entgegen, die entweder in ihrem Auto übernachtet hatten, eine Nacht im Hotel verbrachten und mittags rausgeworfen wurden, oder denen, die dem vorprogrammierten Stau aus dem Weg gehen wollten. Da an diesem Tag beide Bühnen bespielt würden mit teilweise gravierenden Zeitüberschneidungen, konnte man die Wartezeit dadurch nutzen, sich schon mal ein wenig zu stärken.

Los ging dann kurz nach 16 Uhr mit deutschem Hard-Rock aus Mönchengladbach: Motorjesus betraten die Ruhrpott-Stage. Zwar war die Halle nur mäßig gefüllt, die Jungs hielt das aber nicht davon ab, eine eindrucksvolle Opener-Show hinzulegen.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Nur knapp 30 min nach dem Konzertstart von Motojesus ging es für einige Besucher zu Halle 2 rüber. Hier fand das 30jährige Century Media Jubiläum statt, und das Label hatte vier Bands dabei, um dieses Jubiläum ausgiebig zu feiern. Den Anfang machten Baest. Erst im Jahre 2015 gegründet legten die Dänen eine Show hin, die das Herz der Death Metal Freunde höherschlagen ließ: düstere Bühnenstimmung und harter Sound. Die Band um Sänger Simon Olsen überzeugten dabei auf ganzer Linie.

Mystischer wurde es anschließend auf der Main Stage: die Isländer von Skálmöld tauchten die Bühne in blaues Licht und zogen das Publikum mit ihrem unverwechselbaren Klang in den Bann. Die sechs Bandmitglieder füllten die Bühne vollständig aus und heizten dem Publikum ordentlich ein (Gitarrist Baldur Ragnarsson bewies dabei, dass er kein Mikro brauchte, damit ihn zumindest die ersten paar Reihen schreien hören können).

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Auch wenn der Festivaltag gerade erst gestartet war: bei den Spielzeiten gab es bereits Verzögerungen. Das war in so weit gut, dass dadurch mehr Zeit zum Bühnenwechsel da war. Und so konnte man sich Skálmöld noch eine Weile anhören, bevor es zur Flöz-Stage ging. Hier wurde es thrashig mit den Spaniern von Angelus Apatrida. Lichttechnisch etwas ausgeklügelter als ihre Vorgänger, legten die Jungs nicht nur musikalisch sondern auch optisch eine gute Show hin. Erst in diesem Jahr haben sie mit Cabaret de la Guillotine ihr neustes Album auf den Markt gebracht. Nach dem Auftritt beim RMM dürfte sich der ein oder andere Besucher dieses Werk beeindruckt zugelegt haben.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Thrashing in wirklich jedem Sinne wurde es auch auf Bühne 1. Die Urgesteine von Tankard legten einen Rekord an gelaufenen Kilometern während eines Konzerts hin: Andreas „Gerre“ Geremia und Frank Thorwarth rannten von einer Bühnenseite zur nächsten und standen immer nur kurzzeitig still. Andreas Gutjahr war zum Glück etwas weniger unterwegs, so dass man neben Schlagzeuger Olaf Zissel noch einen weiteren Fixpunkt auf der Bühne hatte. Frank hatte dabei so viel Spass, dass er sogar einmal den vollen Kontakt mit dem Bühnenboden suchte. Allerdings etwas unfreiwillig. Rannten sie mal nicht durch die Gegend, beglückten sie ihre Fans mit wirklich außerordentlichem Posing und vor allem Gerre bewies, dass er echte Supermodel-Qualitäten hat.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Wäre auf der zweiten Bühne nicht die Band aufgetreten, die da nun mal folgen würde, hätten sicherlich wesentlich mehr Leute die Show von Tankard bis zum Ende angeschaut. Century Media schickte aber eine ihrer Vorzeigebands auf die Bretter: niemand geringeren als Lacuna Coil. Die Italiener sind ein Garant für grandiosen Shows. Und das ist vor allem der hervorragenden Cristina Scabbia zu verdanken, die in Sekundenbruchteilen das Publikum um den Finger wickeln kann. Und das war auch an diesem Abend der Fall. Ganz in Rot gekleidet stach sie auf der Bühne hervor und haute den Fans ihre unverwechselbare Stimme entgegen. Doch nicht nur die Frontfrau überzeugte, auch ihre Jungs lieferten gewohnt souverän ab. Während Andrea Ferro den Counterpart zu Cristina gekonnt in Szene setzte, spielten die Instrumentalisten Marco, Diego und Ryan gewohnt lässig mit dem Publikum. Da wunderte es niemanden, dass die Halle brechend voll war.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Man könnte nun pure Absicht unterstellen, dass auf das Temperament des Südens in Halle 2 die Kühle des Nordens auf der Main Stage Einzug hielt. Wobei, so kühl wurde es gar nicht, als die Dänen von D-A-D ihre Show begannen. Etwas düster vielleicht, aber der pink-rosa Einteiler von Bassist Stig Pederson brachte die Lichtverhältnisse wieder ein wenig ins Lot. Auch Jakob Binser an der Gitarre und Schlagzeuger Laust Sonne betraten die Bühne stilvoll mit Zylinder bei dem einen und Anzug bei dem anderen. Da wirkte Sänger Jesper Binzer tatsächlich ein wenig underdressed. Allerdings überzeugte er deutlich mit Gesang und Show, was dann doch etwas wichtiger war.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Völlig anders erschein dagegen der Auftritt von Dark Tranquillity auf dem ersten Blick: die Leinwand verlieh dem Ganzen ein wenig die Atmosphäre von Electrobands. Und damit die Leinwand auch wirklich gut zu sehen war, gab es quasi kaum anderes Licht während des Auftritts. Was wiederum dazu führte, dass man von der Show der Schweden fast nichts sehen konnte. Dabei legten sich Mikael Stanne und seine Mannen ordentlich ins Zeug, animierten das Publikum, interagierten miteinander und ließen sich völlig in ihre Musik fallen. Der Zuschauer sah aber in erster Linie die Leinwand im Hintergrund. Leider, denn aus nächster Nähe (dem Fotograben) betrachtet, überzeugte die Band eben nicht nur musikalisch, sondern auch durch ihre Sympathie und Ausstrahlung.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Das mit dem Licht bzw. des Fehlens desselben zog sich ganz allgemein durchs Festival. Und je später der Abend, desto weniger Licht. So kam es einem zumindest vor. Und wenn selbst von einer Spass-Band wie Alestorm kaum was zu sehen ist, dann wirkt das schon ein wenig seltsam. Die Briten sind bekannt für ihre Faxereien auf der Bühne. Doch entweder sah man von ihnen gar nichts oder sie ließen sich von komplett rotem Licht anstrahlen, was jetzt auch nicht unbedingt ansehnlich ist. Musikalisch waren sie natürlich göttlich wie immer. Alestorm sind Spass und sie machen Spass, Christopher Bowes beschäftigt sich intensiv mit seinem Publikum, das jeden Quatsch mitmacht. Die Wall of Death gehört genauso dazu, wie der Rowing Pit. Und natürlich die fliegende Ente. Hätte man bei dem Ganzen nun auch die Musiker vernünftig sehen können, wäre der Auftritt nahezu perfekt gewesen.

Bericht: Ruhrpott Metal Meeting - Turbinenhalle Oberhausen - 07.-08.12.2018Aber wie gesagt: je später der Abend, desto weniger Licht. Keine guten Voraussetzungen für die folgende Band. Leider auch schon der Headliner des Festivals. Leider, weil damit das diesjährige RMM unweigerlich zu Ende ging. Niemand geringerem als den Finnen von Children of Bodom wurde die Ehre zuteil, dieses besondere Festival zu beenden. Düstere Stimmung im Sinne von wenig Licht gehört ja irgendwie zu den skandinavischen Metal-Bands dazu. Doch sie machen dies mit Stil: Lichtakzente an den richtigen Stellen und ein fast schon spielerisches Umgehen damit erzeugen eine beeindruckende Atmosphäre. Dazu die melodischen, düsteren Klänge und die Stimme von Alexi „Wildchild“ Laiho lassen die Herzen schneller schlagen und die Haare intensiver fliegen. Children of Bodom überzeugten auf ganzer Linie und ließen das Publikum kurz vergessen, dass anschließend alles vorbei sein würde. Und sie machten dies grandios.

„Grandios“ ist ein Wort, dass sich durch beide Tage des diesjährigen RMMs zog. Die Bandauswahl war grandios, die Location sowieso wie immer, die musikalischen Leistungen erst recht und das Publikum übertraf alles. Schade war nur, dass die Lichtsetzung auf den Bühnen allgemein eher unschön war. Teilweise waren nur die Hintergründe zu erkennen, aber der ein oder andere Fan würde sicher auch gerne die Musiker sehen können. Aber nunja, es kann ja nicht immer alles perfekt sein. Man freut sich trotzdem auf das nächste Jahr und wartet gespannt darauf, wie das Line-Up 2019 aussehen wird.

Über den Autor

Nina Hermes

📷 Fotografin: Amselblick

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  • 5. Sunflower (Spider-Man: Into the Spider-Verse) - Post Malone & Swae Lee
  • 6. You Say - Lauren Daigle
  • 7. Without Me - Halsey
  • 8. break up with your girlfriend, i'm bored - Ariana Grande
  • 9. Always Remember Us This Way - Lady Gaga
  • 10. Wow. - Post Malone