Bericht: Versengold – Nordlicht-Tour – Live Music Hall Köln – 12.10.2019

Bericht: Versengold – Nordlicht-Tour – Live Music Hall Köln – 12.10.2019

Samstag, der 12.10.2019, 18 Uhr in Köln. Die lange Warteschlange vor der Live Music Hall erregt das Interesse der Passanten. „Wer spielt denn heute?“, fragte jemand. „Versengold“, antwortet eine Wartende. Keine weitere Erklärung, keine weiteren Worte sind nötig. Zumindest für die Wartenden, denn der Bandname reicht schon um zu wissen, dass es ein grandioser Abend werden würde.

Ca. 50 m die Straße entlang reichte die Warteschlange um 18 Uhr, obwohl bereits seit einer halben Stunde der Einlass lief. Man wusste ja schon vorher, dass die Show ausverkauft war. Hatte man es dann in den Innenhof der Live Music Hall geschafft, erstaunte einen aber schon die große Menge an Menschen. Und die Halle selbst war auch schon halb gefüllt. Dennoch stand man das gesamte Konzert über nicht direkt Schulter an Schulter, sondern hatte doch noch etwas Platz, um sich zu bewegen. Nicht nur die Tatsache, dass das Konzert ausverkauft war, sollte diesen Abend zu etwas Besonderem machen: die Support-Band Mr. Irish Bastard, musste für den Tag leider absagen und so gab es tatsächlich nur Versengold selbst auf die Ohren. Aber in Köln kann man das ja machen, wie Malte später feststellte, die Kölner haben ja eh immer Bock und Spass.

Bericht: Versengold - Nordlicht-Tour - Live Music Hall Köln - 12.10.2019

Und so wurde es um 19 Uhr dunkel, das Intro zu Nordlicht erklang und die Spannung stieg. Vor allem, weil die Bühne durch ein Banner verhüllt war und man höchstens von der Seite aus sehen konnte, dass die Band die Bühne betrat und tatsächlich schon dort stand. Doch beim ersten Song, „Durch den Sturm“, fiel das Banner – und die Party begann. Was folgte war ein Set-List bestehend nicht nur aus dem der Tour den Namen gebenden Album Nordlicht, auch Funkenflug war gut vertreten ebenso wie Songs aus den älteren Alben Zeitlos und Allgebraeu. Nahezu jeder Song wurde einzeln von Malte eingeleitet und dessen Entstehung erklärt. Bericht: Versengold - Nordlicht-Tour - Live Music Hall Köln - 12.10.2019Und so konnte man auch erfahren, dass für „Winterflut 1717“ tatsächliche Augenzeugenberichte für den Text verwendet wurden, was dem gesamten Song eine noch düstere und unheilvollere Stimmung verlieh. Die hielt aber nicht lange an; mit „Teufelstanz“, „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“ und „Solange jemand Geige spielt“ kehrte direkt wieder Partystimmung ein. Es wurde gesungen, gesprungen, getanzt und gefeiert. Jeder einzelne Ton wurde vom Publikum aufgenommen und weitergetragen. An mach einem Moment hatte man sogar das Gefühl, das Malte das Singen auch einfach sein lassen könnte, das Publikum wäre laut genug, Schließlich wurde es dann Bericht: Versengold - Nordlicht-Tour - Live Music Hall Köln - 12.10.2019noch mal wieder ruhiger – es wurde Zeit für eine Ballade. Diesen Augenblick nutzte Malte für den Hinweis auf die Nach der Balladen, die in diesem Jahr aufgrund der hohen Nachfrage wieder stattfinden würde. Doch da es nur 6 oder 7 Termine geben wird, sollte man schnell bei den Tickets sein. Als Ballade für diesen Abend hatte sich Versengold einen Song ausgesucht, für den sie am meisten Feedback, die meisten Reaktionen bekommen hatten. Ein Song, der ans Herz geht und vielen auch am Herzen liegt: „Haut mir kein Stein“. Und natürlich wurde auch dieser Song, der Publikumsliebling, mitgesungen.

Wer Versengold verfolgt, der weiß: die Band scheut sich nicht, schwierige, unangenehme Themen anzusprechen. Im Gegenteil, alle Bandmitglieder sind politisch interessiert und sehen als ihre Pflicht an, ihre Meinung zu äußern. Gerade in der heutigen Zeit ist dies wichtig und nötig und so folgten klare Statements für die Flüchtlingshilfe, gegen Gewalt, gegen Rechts und für die Menschlichkeit in den Somgs „Meer aus Tränen“ und „Braune Pfeifen“. Versengold wäre aber nicht Versengold, wenn sie diesen ernsten Themen nicht eben noch mit Spass untebrechen, weswegen da noch „Hoch die Krüge“ zwischen lag.

Unaufhörlich ging das Konzert dem Ende entgegen und nahm noch mal etwas mehr Fahrt auf. Das „Thekenmädchen“ durfte auf gar keinen Fall fehlen, schon gar nicht, weil das Video tatsächlich in Köln gedreht wurde (laut Malte in härtester Arbeit: mit vielen Kneipenbesuchen, vielen schönen Frauen und ständig dieses Bier …). Das anschließende Tanzstück endete dann damit, dass man Flo doch bitte auf Händen tragend zu seinem Bier quer durch die Halle tragen solle (hat auch hervorragend funktioniert). Es gab ein wundervolles Handy-Taschenlampen-Konzert zu „Wohin wir auch gehen“ und „Butter bei die Fische“ wurde als letzter Song angekündigt, was vom Publikum mit Gelächter aufgenommen wurde, denn alle sahen an der Uhrzeit, dass es hier noch längst nicht zu Ende war. Stimmt auch. Zwar gingen die Jungs von der Bühne, allerdings quer durchs Publikum zum FOH, um von dort aus „Mach ne Runde“ anzustimmen. Malte blieb dann noch da, während sich der Rest wieder zu seinen Instrumenten begab, um „Ich und ein Fass voller Wein“ anzustimmen. Das tatsächlich letzte Lied des Abends. Also abgesehen vom mittlerweile traditionellen Abgesang, bei dem sich alle Jungs noch mal zusammenstellen und gemeinsam den Abschluss singen.

Set-List

  • Durch den Sturm
  • Niemals sang- und klanglos
  • De rode Gerd
  • Verliebt in eine Insel
  • Winterflut 1717
  • Teufelstanz
  • Der Tag, an dem die Götter sich betranken
  • Solange jemand Geige spielt
  • Haut mir kein Stein
  • Feuergeist
  • Samhain
  • Meer aus Tränen
  • Hoch die Krüge
  • Braune Pfeifen
  • Thekenmädchen
  • Wohin wir auch gehen
  • Butter bei die Fische
  • Mach noch ne Runde
  • Ich und ein Fass voller Wein
  • Abgesang

Und so war es dann doch leider vorbei. Nach zwei vollen Stunden. Niemand hätte was dagegen gehabt, wenn es länger gedauert hätte. Allerdings war es in der Halle von Beginn an so brüllend heiß, dass sich jegliche Bewegung wie ein intensives Sportprogramm anfühlten. Da hatte sich Versengold nach diesen 120 min Power-Show dann doch den Feierabend verdient. Und es blieb noch genügend Zeit, noch intensiv auf Tuchfühlung zu gehen, denn die Jungs kamen nach kurzem Frischmachen nochmal zu ihren Fans.

Bericht: Versengold - Nordlicht-Tour - Live Music Hall Köln - 12.10.2019

Es war ein wahrlich gelungener, wahrlich hervorragender Abend. Versengold machen Spass, bringen zum Nachdenken und machen dann wieder Spass. Und wer noch kein Ticket für eins der Konzerte hat: Kaufen. Sofort. Es lohnt sich.

Noch nicht genug gesehen?

Alle Galerien des Abends findet ihr, wie immer, in unserem Archiv. Wir können euch nur wärmstens ans Herz legen da mal durchzuschauen.

Über den Autor

Nina Hermes

📷 Fotografin: Amselblick