Bericht: Coppelius – Bühnenabstinenzverweigerungskonzertreise – Kammgarn Kaiserslautern – 18.01.2020

Bericht: Coppelius – Bühnenabstinenzverweigerungskonzertreise – Kammgarn Kaiserslautern – 18.01.2020

Nachdem die Herren rund um die Band COPPELIUS im Jahre 2017 ein Jahr Bühnenabstinz ankündigten, öffneten sie am 06.09.2019 die Kammern zu ihrem Archiv, veröffentlichten ihr neues Album (Kammerarchiv) und gingen auf große Bühnenabstinenzverweigerungskonzertreise.
Seit dem 08.11.2019 waren die Herren mit ihrem Diener auf Reisen und zum Tourabschluss am 18.01.2020 in Kaiserslautern waren wir mit dabei.

Um die Band zu beschreiben, muss man etwas weiter ausholen. Die Herren, allesamt mit fiktiven Identitäten, stammen aus dem 19. Jahrhundert, was sich auch in ihren Bühnenoutfits widerspiegelt. Stets mit Zylinder auf der Bühne, bekommen sie regelmäßig Absinth von Bastille dem Diener gereicht. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als Kammercore. Den Einfluss von beispielsweise Iron Maiden hört man deutlich raus. Diesen covern sie häufig. Auffallend bei der Band ist, dass sie auf E-Gitarren und E-Bass verzichten, dafür mit Cello, Kontrabass und Klarinetten performen. 

Bei Coppelius gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man ist Fan der Band, oder man kann mit ihnen nichts anfangen. Und was sollen wir sagen? Wir sind große Fans der Herren und waren umso gespannter auf die Show. Und wir wurden nicht enttäuscht!

Das Kammgarn öffnete pünktlich seine Türen, und ließ die wartenden Fans schon in den Vorraum, was angesichts der Außentemperaturen sehr angenehm war. So hatte man bereits die Möglichkeit, etwas zu trinken oder am Merch sein Geld loszuwerden. Gegen 19.40 durften die Fans dann in die Halle und viele stürmten los, um sich ihren Platz in der ersten Reihe zu sichern.

Die Location war zur Hälfte abgehangen und die Empore vollständig geschlossen. Sehr schade, denn von oben hätte man eine schöne Sicht auf die geniale Bühnenshow von Coppelius gehabt. 

Bericht: Coppelius - Bühnenabstinenzverweigerungskonzertreise - Kammgarn Kaiserslautern - 18.01.2020

Pünktlich um 20 Uhr betrat die Vorband, CIRCUS OF FOOLS die Bühne und heizten die Wartenden so richtig ein. 

Die Band besteht seit 2012, lässt sich in Richtung Metal mit anteilen von Core und Blackmetal definieren und ist eine interessante Truppe. Auffallenden sind hierbei die Verwendung von Elementen aus dem Zirkus in ihrer Musik. 2018 kam ihr letztes Album raus, und auch wenn einige Besucher die Band noch nicht kannte, gelang es Circus of Fools wirklich gut, die Fans zum Mitmachen, Klatschen und Tanzen zu animieren. Auch zwei neue Songs wurden präsentiert. 

Insgesamt sind Circus of Fools, welche zuvor auf Tour mit Erdling waren, eine sehr interessante Band, von der wir in den nächsten Jahren sicher mehr sehen und hören werden. Uns gefiel die Mischung aus dem Schreien des Sängers und dem melodischen Gesang seiner Bandkollegin. Auch wenn diese leider häufig etwas leise war, Schade!

Nach guten 40 Minuten war die Show zu ende, und die Herren von Coppelius bauten ihre Instrumente auf.

Coppelius, welche 2002 erste Bekanntheit erreichten, brachten 2007 ihr erstes Album auf den Markt. Von da an ging es für die Band positiv weiter. Die Texte und der Stil der Band beschreiben “persönliche” Erfahrungen und Probleme von aus dem 19. Jahrhundert in die Gegenwart gereisten Musiker in der modernen Welt. Mit dazu gehört die  Betrachtungen über den modernen Menschen. Ihre Kleidung ist angepasst an das 19. Jahrhundert und ihr Fans tun es ihnen gleich. Auch die Zugabe Rufe wurden von den Fans durch “Da Capo!” Rufe ersetzt.

Bei den Fans gab es kein Halten mehr, als die ersten Klänge des Intros um 21 Uhr erklangen und Bastille die Bühne betrat. Kurze Zeit später waren die Herren komplett versammelt und gaben “I get used to it” zum Besten. Das Kammgarn bebte, die Fans sangen lauthals mit, die Stimmung war ausgelassen und das Bühnenbild war wirklich gut gemacht. Passend zum Albumtitel Kammerarchiv wirkte es wirklich, als würden sich die Herrn in einer Kammer befinden und dort performen. 

Gute 2 Stunden gab die Band alles, spielte alte Songs, spielten neue Songs und zogen die Fans in ihren Bann. 

Auch bei den Sängern gab es muntere Wechsel. Le Comte Caspar gab “Moor” zum Besten, suchten intensiv die Nähe zu den Fans, während Graf Lindorf “Welt im Wahn” am Cello performte oder Max Coppella “Locked out” sang..  

Bericht: Coppelius - Bühnenabstinenzverweigerungskonzertreise - Kammgarn Kaiserslautern - 18.01.2020

Es folgten Songs wie “To My Creator”, “Zeit & Raum”, das Motörhead Cover “1916″ oder auch “Reichtum”
Natürlich durfte auch ein Drum Solo von Linus von Doppelschlag nicht fehlen, wobei das Kontrabass Solo von Sissy Voss mehr Jubel und Applaus einbrachte, wo der Herr doch sonst so ernst ist. 😉

Das Licht war bei jedem Song erstklassig, die Band gut zu sehen und wie man es von Coppelius gewohnt ist, wusste man manchmal gar nicht genau, wo man hinsehen soll. Es passierte viel auf der Bühne und selbst wenn Le Comte Caspar und Max Coppella sangen, merkt man Bastille im Hintergrund den Spaß an und sah ihn durch die Gegend hüpfen, was die Menge automatisch noch mit riss. 
Nebenbei machte die Band jeden Spaß mit, was sie noch sympathischer macht. Als beispielsweise aus der ersten Reihe Socken auf die Bühne geworfen wurden, zog Sissy Voss am Kontrabass diese alle an einen Fuß und humpelte so später auch zum Merchandise. Oder Bastille sprach Fans nach ihren Zwischenrufen aktiv an und brachte so die Zuschauer zum Lachen.

Bei dem System of a Down Cover “Radio/Video” wurde die Stimmung noch ausgelassener. Schon bei den ersten Tönen verfielen die Zuschauer in lautes Jubelgeschrei, tanzten während des Songs und grölten den Text mit. 
Nach dem Song”Gumbagubanga” folgte der von der Crew geplante Tourabschlussstreich. Sie stürmten, gefolgt von lauter Karnevalsmusik die Bühne, zogen der Band lustig bunte Zylinder und Haarreifen auf, verteilte Schnaps, bevor es ein Luftschlangen und Konfetti Regen gab. Die Fans feierten diese Aktion, welche dem Diener kurz die Sprache verschlug.

Natürlich durften auch Songs aus der Oper Klein Zaches genannt Zinnober nicht fehlen. “Glaubtet ihr” und “Selten genug” wurden gespielt, letzterer verursachte Gänsehaut und wenn man die welterste Steampunk Oper gesehen hat, so wie wir, verfiel man automatisch in Erinnerung an dieses wirklich gelungene Stück.

Auch einen Song aus der neuen Oper Krabat wurde bereits gespielt. 

Die Premiere der Oper findet am 09.05.2020 im MIR in Gelsenkirchen statt und wir sind wirklich gespannt. Wir wissen noch nicht wie, aber wir sind uns sicher, dass die Band die Meisterleistung der ersten Oper toppen kann und wird! Wir werden uns das sicher nicht entgehen lassen!

Nach “Bitten Danken Petitieren” verabschiedete sich die Band von der Bühne, um dann für eine Zugabe mit drei Songs wieder zu kommen. Nach “Risiko” war endgültig Schluss und Bastille bedankte sich bei den Fans, wie von ihm gewohnt leicht gerührt und etwas verpeilt, und hatte dann, nach guten 2.15 std. vollem EInsatz, auch Feierabend. Zumindest auf der Bühne.

Es war wirklich ein geniales Konzert mit einer unbeschreiblich guten Stimmung, gutem Licht und unglaublich viel Spaß auf und vor der Bühne!

Abschließend lassen sich den hochverehrten Lesern nur noch zwei Worte mit auf den Weg geben: Coppelius hilft!

Setliste

  1. I Get Used To It
  2. Der Advokat
  3. Moor
  4. Welt im Wahn
  5. Die Mühle
  6. Locked Out
  7. To My Creator
  8. Drum solo
  9. Wrathchild
  10. Zeit & Raum
  11. Der Handschuh
  12. 1916 (Motörhead cover)
  13. Reichtum
  14. Klein Zaches
  15. Operation
  16. Glaubtet Ihr?
  17. Selten genug
  18. Time-Zeit
  19. Radio/Video (System of a Down cover)
  20. Der Luftschiffharpunist
  21. Urinstinkt
  22. Gumbagubanga
  23. Diener 5er Herren
  24. Bitten Danken Petitieren
  25. Zaches Thema
  26. Schöne Augen
  27. Risiko

Songverteilung

Extrablatt: 5
Kammerarchiv: 5
Zinnober: 5
Time-Zeit: 3
Anderes: 3
Hertzmaschine: 2
Tumult!: 2
Cover: 2

Noch nicht genug gesehen?

Alle Galerien des Abends findet ihr, wie immer, in unserem Archiv. Wir können euch nur wärmstens ans Herz legen da mal durchzuschauen.

Über den Autor

Eileen Eckhardt

🖊️ Redakteurin