Bericht: Gloryhammer – European Galactic Terrortour – Turbinenhalle Oberhausen – 18.01.2020

Bericht: Gloryhammer – European Galactic Terrortour – Turbinenhalle Oberhausen – 18.01.2020

Wenn sich Zwerge und Goblins unter dem Zeichen des Hammers vereinen, dann kann dies nur eines bedeuten: Gloryhammer rufen zur intergalaktischen Schlacht.

Im Mai letzten Jahres brachten die Mannen um Angus McFive ihr Album „Legends from Beyond the Galactic Terrorvortex“ auf den Markt und waren schließlich im November und Dezember als Support mit Powerwolf unterwegs. Seit dem 17.01.2020 und noch bis zum 08.02.2020 sind Gloryhammer auf Headliner-Tour durch Europa unterwegs. Als Unterstützung haben sie die Zwerge von Wind Rose und die Goblins von Negrogoblikon mit dabei. Am 18.01.2020 enterte die European Galactic Terrortour die Turbinenhalle in Oberhausen.

Ursprünglich sollte das Konzert in Halle 2 stattfinden. Aber bereits Ende November 2019 waren über 90% der Tickets verkauft und so wurde die Veranstaltung in Halle 1 hochverlegt. Das war auch gut so, denn von Beginn war die Turbinenhalle brechend voll. Ausverkauft war das Konzert nicht, aber es sind sicher nicht viele Tickets liegen geblieben.

Einlass sollte um 19 Uhr sein. Da man ja aber die besten Plätze haben wollte und man bei dem ein oder anderen Konzert in der Turbinenhalle schlechte Erfahrungen mit der Dauer des Einlasses gemacht hatte (nicht, weil die Security nicht flott wäre, sondern weil einfach zu viele Menschen gleichzeitig rein wollte), waren schon ab 18 Uhr die ersten Gäste da. Ab 18:30 Uhr war dann die Treppe vor dem Eingang komplett voll und die Schlange zog sich, dem Hörensagen nach, anschließend bis Halle 2. Der Einlass selbst ging dann gewohnt flott bei gewohnt netten und kompetenten Securities. Der Rest ist Turbinehalle-Tradition: Geld gegen Wertmarken tauschen, evtl. Spint besorgen, Merch gucken und kaufen, dann in die Halle, Plätze und Getränke sichern.

Pünktlich um 19:45 Uhr ging das Licht aus und das Spektakel nahm seinen Lauf.

[kleine Anmerkung der Autorin: was schreibende Fotografen gar nicht mögen ist die Ansage: „3 Songs, dann muss die Kamera raus“. Das ist vor allem dann doof, wenn das Equipment nicht wirklich in die Spinde der Turbinenhalle passt. Daher fußt der folgende Bericht in erster Linie auf den Eindrücken der ersten drei Songs je Band und dem ohrenbetäubendem Gejubel, das man anschließend von draußen hören konnte.]

Bericht: Gloryhammer - European Galactic Terrortour - Turbinenhalle Oberhausen - 18.01.2020

Den Abend eröffneten Wind Rose aus Mailand. Die Italierner bezeichnen ihre Musik selbst als Zwergenmetal und sind diesem Motto auch vollkommen treu: ihre Outfits hätte Tolkien höchstpersönlich nicht besser schneidern können. Die Herzen der Gäste gewannen sie dabei vom ersten Moment an und legten eine hervorragende Show hin. Erst im Oktober letzten Jahres haben sie ihr neustes Album „Wintersaga“ veröffentlicht, das bereits vierte Album seit der Bandgründung 2009. In den deutschen Charts erreichte das Album einen Top-100 Platz und zeigt somit deutlich: wir sind bereit für die Zwerge. Wind Rose darf gerne immer wieder auf die deutschen Bühnen zurückkehren und wird sicher in der nächsten Zeit immer weiter an Ansehen gewinnen.

Nach dem (leider nur) 30-minütigen Set wechselte dann nicht nur die Band, sondern auch die Atmosphäre: wähnte man sich gerade noch in den Minen zwergischen Ursprungs, wurde man nun von einem übermotivierten, bunten und dezent extrovertierten Goblin nahezu aus der Fassung gebracht.

Bericht: Gloryhammer - European Galactic Terrortour - Turbinenhalle Oberhausen - 18.01.2020

Nekrogoblikon stürmten die Bühne. Und damit prasselte gnadenlos der laute Melodic Death Metal der Amerikaner auf die Fans ein. Ihr hauseigener Goblin sorgte dabei in seinem kunterbunten Schlafanzug für ausgelassene Stimmung, animierte das Publikum und interagierte mit allen Bandmitgliedern. Es ist allerdings schon etwas schade, dass es dafür den Goblin brauchte. Die restlichen Bandmitglieder wirkten eher für sich ohne all zu große Interaktion mit dem Publikum. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Immerhin existieren Nekrogoblikon schon seit 2006 und bringen demnach ordentlich Bühnenerfahrung mit. Ihr letztes der bisher vier Alben (und eine EP) brachten die Kalifornier 2018 auf den Markt. Wird also Zeit für ein neues und die Fans warten sicher auch nur darauf. Zumindest dem Jubel der Fans in Oberhausen nach zu schließen.

Anschließend wurde es dann Zeit für den Höhepunkt des Abends. Denn schließlich waren die Gäste vor allem für eine Band angereist: Gloryhammer stürmten heran. Wobei – von stürmen konnte erst mal nicht die Rede sein, eher von gemütlichem Geschobenwerden. Bassist Hootsman hatte es nämlich irgendwie geschafft sich so zu verletzen, dass er im Rollstuhl auf die Bühne musste. Seiner Performance tat das aber keinem Abbruch: er rollte von einer Seite der Bühne zur anderen, interagierte mit dem Publikum soweit er eben konnte und schien trotzdem eine Menge Spass zu haben. Hut ab dafür.

Bericht: Gloryhammer - European Galactic Terrortour - Turbinenhalle Oberhausen - 18.01.2020

Ser Proletius und Angus McFive glichen diese zwangsweise Zurückhaltung ihres Bassisten dafür direkt wieder aus. Vor allem Angus schien wie gewohnt zu viel Koffein intus zu haben und animierte das Publikum das gesamte Set durch. Man kann es kaum glauben, aber von den drei Bands des Abends ist Gloryhammer tatsächlich die jüngste. Zwar entstand die Idee zur Band bereits 2009 (also im Gründungsjahr von Wind Rose), aber erst 2011 konnte Thomas Winkler aka. Angus McFive als Sänger gewonnen werden und 2013 erschien das schließlich das Debüt-Album. Nekrogoblikon hatte da bereits zwei Alben auf dem Markt. Dafür stieg Gloryhammer direkt bei Napalm Records ein und das Konzept der Band kam in Europa gut an: während das Album „Space 1992: Rise of the Chaos Wizards“ 2015 in den deutschen Charts gerade mal Platz 53 erreichte, stieg das neue Werk „Legends from Beyond the Galactic Terrorvortex“ in die Top 10 ein und begeisterte die Fans. Es ist also kein Wunder, das Gloryhammer immer wieder ausverkaufte Konzerte verbuchen kann und auch eine Location wie die Turbinenhalle 1 mühelos füllen kann. Und was soll man zu der Show anderes sagen, als mit einem breiten Grinsen im Gesicht daran zurück zu denken und den Abend mit einem begeisterten „Hach ja“ zu kommentieren? Gewohnt hervorragend ohne langweilig zu werden. Eben eine Band, die man sich immer wieder anschauen kann und die immer wieder Spass machen wird.

Fazit zum Abend: natürlich mega. Bis auf eben die Sache mit dem „nur die 3 Songs“. Aber auch beim Verlassen der Halle zum Verstauen der Kamera hörte man bei jeder Band, vor allem bei Gloryhammer, den Jubel und das ungestüme Mitgesinge der Fans. Die Halle war rappelvoll, bis in die hintere Ecke und auch auf der oberen Ebene.

Ergo: zögert noch jemand zu einem der Konzerte zu gehen, so sollte er das Zögern schleunigst ablegen und sich noch eine Karte für die nächstgelegene Stadt besorgen.

Alle Galerien des Abends findet ihr, wie immer, in unserem Archiv. Wir können euch nur wärmstens ans Herz legen, da mal durchzuschauen.

Über den Autor

Nina Hermes

📷 Fotografin: Amselblick